Informations- und Entscheidungsverhalten im Management

Im Allgemeinen muss das Management Entscheidungen unter Unsicherheit und im Umgang mit Komplexität treffen, lange bevor alle notwendigen Informationen zusammengesammelt sind. Weil die zu lösenden Herausforderungen meist in einer zuvor unbekannten Form auftreten, besteht die Tätigkeit des Managers darin, Probleme in ein bearbeitbares Format zu bringen.9 Zugrundeliegende Informationen haben bei der Erfüllung von Aufgaben nicht nur eine zentrale Bedeutung10 sondern von ihnen hängt auch die Qualität der Entscheidungen ab.11
Informationen sind zweckbezogenes Wissen über Ereignisse und Zustände. Sie können sich auf Daten aus dem Unternehmen sowie deren Umfeld beziehen und dienen zur Orientierung für Entscheidungen wie Planung, Vorbereitung, Steuerung und Kontrolle von Handlungen.12 Das auf Informationen gerichtete Unterlassen oder Handeln – bezeichnet als Informationsverhalten – wird als Informationsprozess bestehend aus mehreren Informationsaktivitäten betrachtet. Die Literatur, welche sich vorrangig auf Manager bezieht, untergliedert den Informationsverhaltensprozess uneinheitlich. Sie zeigt, dass sich mentale Prozesse des Informationsverhaltens überwiegend der Beobachtung entziehen, nur ein Teil des Informationsverhaltens beobachtbar ist, die Informationssuche primär der situativen Komplexitätsreduktion dient und die menschliche Informationsaufnahme- und -verarbeitungsfähigkeit nur begrenzt möglich ist. Weiterführend werden für den Informationsverhaltensprozess die drei Phasen Informationsaufnahme, Informationsverarbeitung und Informationsspeicherung aus der Konsumentenforschung verwendet, da sie die kognitiven Prozesse des Informationsverhaltens von Konsumenten bei Kaufentscheidungen untersuchen, weitgehend die Phasenmodelle der Literatur in sich vereinen und unabhängig von den Differenzen zwischen Konsument und Manager erscheinen.13
Entscheidungen sind Prozesse mit den zentralen Bestandteilen Beurteilungen und Wahlen, bei denen Personen zwischen mindestens zwei Optionen eine Präferenz haben. Optionen können dabei Objekte oder Handlungen sein. Entscheidungen sind verbunden mit mehr oder weniger überlegtem, abwägendem, konfliktbewusstem und zielorientiertem Handeln. Der Entscheidungsprozess einer Person startet entweder mit dem Erkennen des Vorliegens von mindestens zwei Optionen oder der Wahrnehmung einer Diskrepanz zwischen gewünschtem und gegebenem Zustand, bei der sie dabei zur Suche nach Optionen zur Überbrückung der Diskrepanz veranlasst wird. Wenn sich eine Person dann durch Auswahl einer Option festlegt, endet der Entscheidungsprozess.14 Betriebliche Entscheidungen sind Wahlhandlungen zwischen verschiedenen Alternativen, welche auf das Optimale ausgerichtet sind und auf Basis weitgehend rationaler Kriterien bewusst vollzogen werden. Entscheidungsträger, also Manager, wählen dabei in Ihrem unterschiedlich großen Ermessenspielraum optimale Alternativen aus und versuchen diese durchzusetzen. Jede betriebliche Entscheidung unterliegt der Unsicherheit, weil die zugrundeliegenden Daten aus der Vergangenheit unvollkommen und der zukünftige Verlauf der Entwicklung anders sein können als angenommen oder sie von der Führungskraft fehlerhaft interpretiert werden.15 Der komplexe Informationsverarbeitungsprozess eines Managers, welcher die Entscheidungsfindung aus zwei alternativen Handlungen bzw. die Lösung eines Problems zum Ziel hat, wird Entscheidungsverhalten genannt. Dabei wird nicht zwangsläufig von rationalem Handeln ausgegangen.16

Die Überlegenheit der rein rationalen organisationalen Entscheidungsfindung wird in der Literatur zunehmend in Frage gestellt und gilt als nicht mehr angemessen. Manager, also organisationale Entscheider, tragen Ihre emotionalen Befindlichkeiten in ein Unternehmen hinein und treffen Ihre geschäftlichen Entscheidungen vor diesem Hintergrund. Dabei werden sie in Interaktionen von sich gegenseitig beeinflussenden aktivierenden und kognitiven Prozessen geleitet und Ihre Präferenzbildung neben ökonomischen auch von nicht-ökonomischen Kriterien bedeutsam bestimmt.18 Die Vorstellungen der klassischen Wirtschaftstheorie, dass sich Menschen als Homo oeconomicus rational nach dem Prinzip Kosten-Nutzen-Optimierung entscheiden, sich über Informationen und Argumente überzeugen lassen und alle Alternativen nach Ihrer Wirtschaftlichkeit sowie dem besten Nutzen-Kosten-Verhältnis abwägen ist verständlich aber falsch. Der Grund dafür ist, dass Menschen u.a. nur ein auf 40 Bits beschränktes Bewusstsein haben, mit dem das Einschätzen von vielen Vorteilen und Nachteilen nicht zu schaffen ist.19 Es gelangen sehr viel mehr Informationen in das Gehirn, als Menschen bewusst werden. In jeder Sekunde gelangen durch die fünf Sinne über 11 Millionen Bits Informationen, umgerechnet die Größe einer alten Floppy-Disk mit ca. 1.4 Megabyte, in das Gehirn. In dieser Zeit werden dabei alle Informationen verarbeitet, jedoch nur etwa 40 Bits werden bewusst. Daraus folgt, dass knapp 100 Prozent der vom Gehirn aufgenommenen Informationen unbewusst bleiben.20 Durch die kognitiven Grenzen der Informationsverarbeitungskapazität und die biologischen Grenzen der Reizaufnahme, verschaffen sich Manager oft nur einen schnellen Überblick der angebotenen Informationen. Weil sie dabei nicht alle Informationen angemessen verarbeiten können, kommen emotionale Reize verstärkt zum Tragen. Es konnte zum Beispiel nachgewiesen werden, dass emotionale Visualisierungen durch Bilder, Grafiken, Zeichnungen und Fotografien, der Informationsüberlastungen am Arbeitsplatz von Entscheidern entgegenwirken.21

 

9 Vgl. Steinmann/Schreyögg (2005), S. 16.
10 Vgl. Gartner (2002), S. 185.
11 Vgl. Goecke (1997), S. 23.
12 Vgl. Birker (1998), S. 7.
13 Vgl. Meyer (1996), S. 75f.
14 Vgl. Jungermann/Pfister/Fischer (2010), S. 3f.
15 Vgl. Korndörfer (1989), S. 60f.

16 Vgl. Meyer (1996), S. 75f.
17 Vgl. Meyer (1996), S. 76.
18 Vgl. Haehnel (2011), S. 13.
19 Vgl. Scheier/Held (2012), S. 59.
20 Vgl. Scheier/Held (2012), S. 51f.

21 Vgl. Haehnel (2011), S. 14.

 

Quelle: Institut für ManagementVisualisierung

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