Analyse von Chef-Charakteren und deren Bedeutung

Schauen Sie aus dem Fenster.

Was sehen Sie? Was nehmen Sie wahr? Achten Sie auf alle Details.

Zugegeben, diese Übung könnte etwas länger dauern. Genauso verhält es sich mit der Analyse des Chefs. Betrachten Sie in Ihrem Gespräch den Chef mal durch ein Fenster, das durch ein Fensterkreuz in vier kleine Sichtfenster geteilt wird.

Im linken oberen Fenster sehen Sie die Arena des Chefs, den öffentlichen Bereich also, der dem Chef und Ihnen bekannt ist. Dieser Bereich ist zu Beginn eines Gespräches sehr klein. Wenn Sie den Chef länger kennen oder längere Gespräche führen, wird dieser Bereich auch größer.

Der rechte obere Fensterausschnitt ist einer blinder Fleck für den Chef, weil er nur Ihnen als Gesprächspartner bekannt und für den Chef vollkommen unsichtbar ist.

Unter diesem Fenster befindet sich rechts unten der unbewusste Fensterteil, unbewusst, da er Ihnen und dem Chef unbekannt ist. Weil etwa acht Neuntel des Gesprochenen unbewusst und emotional sind, steckt in diesem Fensterausschnitt das Gemeinte hinter den Aussagen des Chefs. Das Gemeinte wird häufig nicht ausgesprochen. Hier verbergen sich unter anderem der Charakter sowie die Programme des Chefs, die den Chef zu dem machen, was er ist. Im Umkehrschluss bedeutet dies, wenn sich acht Neuntel verbergen, wird nur ein Neuntel bewusst gesagt.

Wenn Sie zudem noch mehr darüber wissen möchten, was der Chef für eine Persönlichkeit ist und was sein Verhalten ausmacht, sollten Sie durch den linken unteren Fensterausschnitt Ihres Fensters schauen. Dahinter verbirgt sich alles, was dem Chef bekannt ist und anderen unbekannt bleibt. Sie sehen also nur die Fassade des Chefs. Zu Beginn eines Gespräches ist dies der größte Teil des kompletten Gesprächsfensters. Mit zunehmender Gesprächsdauer wird die Fassade bröckeln und immer kleiner werden. Dadurch sehen Sie die Maske des Chefs sowie die Rollen, die der Chef spielt. Dahinter stecken die Persönlichkeit sowie die Erklärung für das Verhalten des Chefs.

Lassen Sie uns zur Erklärung vorab schon mal gemeinsam die Masken absetzen. Im Übrigen: die des Chefs, aber auch Ihre und die von allen Menschen. Um dies besser zu erklären, machen wir gemeinsam eine Zeitreise zu unserer Geburt.

Unser Leben ist wie eine Kugel. Uns geht es nach unserer Geburt nur um den Lebenserhalt und die Lustbefriedigung. Wir setzen all unsere Sinne ein, nehmen damit unsere Umgebung wahr und sind einfach nur da. Von unserer Geburt bis zum sechsten Lebensjahr bekommen die Worte durch unsere Sprache Bedeutung, Sinn und Wert. Wir etikettieren jedes Wort mit Plus und Minus. So erhalten zum Beispiel dick, dünn, hässlich, schön, faul oder erfolgreich über die Erziehung Etiketten. Manche Worte werden in diesem Zeitraum sogar mehrfach etikettiert. Durch unsere Erziehung werden wir also zur Normalität erzogen. Zu unseren eigenen Werten kommen fremde Werte hinzu. Damit geht unsere Kugelform verloren. Wir bekommen Ecken und Kanten. Daraus formen wir unsere Masken. Je nachdem welche Maske wir aufsetzen, spielen wir auch unsere anerzogenen Rollen bis ins Erwachsenenalter.

Die grundlegenden Verhaltensweisen des Menschen sind Kampf oder Flucht.

Diese Verhaltensweisen der Persönlichkeit begründen sich auf den Prinzipien Angst oder Freude. Wenn wir mehr über Menschenkenntnis und die vier Persönlichkeitstypen von Chefs erfahren möchten, müssen wir den Fokus intensiver auf die Grundformen der Angst richten.

Betrachten wir Menschen aus verschiedenen Perspektiven.

Jeder Mensch kann sich verschiedene Grundfragen stellen. Werde ich ein Individuum oder gehe ich Partnerschaften ein? Schaffe ich Sicherheit und Verlässlichkeit oder werde ich wandelbar und verändere mich? Vertieft man diese beiden Fragen, kann man auch hier vier verschiedene Persönlichkeitstypen durch vier Persönlichkeitsfenster betrachten. Die schizoide Persönlichkeit (Angst vor zu enger Bindung), die depressive (Angst verlassen zu werden), die zwanghafte (Angst vor Ungewissem) sowie die hysterische Persönlichkeit (Angst vor dem Endgültigen). Doch was macht die einzelnen Persönlichkeiten des Chefs aus und wie kann ich sie im Gespräch erkennen?

Bei der schizoiden Persönlichkeit dreht sich die Welt des Chefs um die eigene Achse. Dieser Typ Chef hat Angst vor Hingabe und ist ein „Ich-Verlust-Abhängiger“. Solch ein Cheftyp ist unabhängig, selbstständig und vertritt seine Meinung kompromisslos. Hier ist der Chef das Maß aller Dinge. Diese Chefs wirken arrogant, kühl, sachlich und distanziert. Sie sind objektiv, unsensibel und fordernd. Sie sind kontaktschwach und eher Einsiedlertypen. Darüber hinaus sind sie sarkastisch, ironisch, unbeirrbar, emotionsarm und kritikresistent. Ihnen fehlt es an Enthusiasmus. Zudem haben schizoide Persönlichkeiten ein hohes Maß an Selbstwertgefühl.

Die Erde dreht sich bei der depressiven Persönlichkeit um die Sonne. Diese Chefs haben Angst vor Selbstwerdung in Form von Einsamkeit und Isolation. Wenn man sie isoliert, werden sie depressiv. Sie sind Gruppenmenschen, suchen menschliche Nähe, sind extrem emotional und können nicht allein sein. Dieser Cheftyp ist bescheiden, zeigt wenig Egoismus und sagt sich: „Erst die anderen, dann ich.“ Weitere Kennzeichen sind Harmoniebedürfnis, Hilfsbereitschaft und Empathie. Sie haben wenig Selbstwertgefühl, sind konfliktscheu und leiden mit anderen. Dieser Persönlichkeitstyp ist anspruchslos, verständnisvoll und überfordert sich häufig. Daher sind sie häufig anfällig für Burnout.

Bei zwanghaften Persönlichkeitstypen herrscht bei Chefs die Erdanziehungskraft. Sie haben Angst vor Wandlung, Vergänglichkeit und Unsicherheit. Auf den Punkt sind sie Kontrollfreaks, sachlich und kühl. Sie sind zuverlässig, unflexibel, intolerant, perfektionistisch und überkorrekt. Fleiß, Ordnung und Entschlussunfähigkeit sind weitere Merkmale. Typisch ist auch, dass sie immer Bedenken haben und sich an Zahlen, Daten und Fakten orientieren. Zudem sind sie dogmatisch, haben Vorurteile, sind risikoscheu, konservativ, detailversessen und fokussieren sich auf die Zukunft.

Hysterische Chefpersönlichkeiten machen aus der Erdanziehungskraft das Gegenteil. Bei ihnen wirkt die Zentrifugalkraft. Sie haben Angst vor Ordnung, Notwendigkeit, Endlichkeit und Unfreiheit. Diese Chefs sind freiheitsliebend, theatralisch, flexibel und anpassungsfähig. Sie brauchen Veränderung und Abwechslung. Risikobereitschaft, Entschlussfreudigkeit, sowie Begeisterungsfähigkeit sind ihr Markenzeichen. Autoritäten kennt dieser Persönlichkeitstyp nicht an. Rituale, Vorschriften und alles, was einschränkt, wird abgelehnt. Sie sind oft oberflächlich, unzuverlässig, chaotisch, beeinflussbar und spontan. Charme, Redegewandtheit und Überzeugungskraft sind ihre Stärken. Als Partylöwe stehen sie mit Starallüren häufig im Mittelpunkt. Was bei ihnen zählt, ist das Hier und Jetzt.

Wenn Sie den Chef durch dieses viergeteilte Fenster sehen, wird Ihnen auffallen, dass die Fensterabschnitte nicht gleich groß sind. Beobachten Sie, welches Fenster auffällig ist und die meiste Fläche einnimmt. So behalten Sie beim Chef den Durchblick. Häufig suchen sich Chefs Partner aus, die gegensätzlich zu ihrem dominanten Persönlichkeitstyp sind. So harmonieren schizoide Chefs mit depressiven Partnern und umgekehrt. Genauso verhält es sich mit zwanghaften und hysterischen Persönlichkeiten.

Sie wollen wissen, welcher Führungsstil sich hinter der Maske des Chefs verbirgt?

In Unternehmen Entscheidungen getroffen werden. Stellen wir uns vor, die Entscheidungsbefugnis wird als Waage dargestellt. Auf der linken Seite befindet sich die Führungskraft und auf der rechten Seite befinden sich die Mitarbeiter und Partner des Unternehmens. Bei großem Gewicht und somit großer Entscheidungskraft ist der Führungsstil der Führungskraft autoritär („Das und das wird gemacht!“). Nimmt dieses Gewicht ein wenig zugunsten des Mitarbeiters oder Partners ab, spricht man vom patriarchischen („Das und das wird gemacht, weil … [Erklärung].“) und – noch abgeschwächter – vom informierenden Führungsstil. Hier werden Sie über Pläne informiert, können Ihre Meinung dazu sagen, jedoch nicht diskutieren. Wenn die Waage zwischen Führungskraft und Mitarbeiter ausgeglichen ist, spricht man vom beratenden Führungsstil. Verteilt sich das Gewicht und damit die Entscheidungskraft zugunsten der Mitarbeiter, unterscheidet man zwischen kooperativem, delegativem und demokratischem Führungsstil. Kooperativ meint, dass Chef und Mitarbeiter gemeinsam abstimmen und entscheiden. Final liegt hier jedoch die Entscheidungskraft beim Chef. Treffen die Mitarbeiter dagegen selbst die Entscheidung und die Führungskraft moderiert nur, dann spricht man vom delegativen Führungsstil. Wenn der Vorgesetzte keine Entscheidung trifft, liegt beim demokratischen Führungsstil die Entscheidungskraft komplett beim Mitarbeiter. Analysieren Sie Chefs zukünftig in Ihren Gesprächen. Welcher Führungsstil ist dominant und auffällig?
Für ein noch tieferes Verständnis und Ihre zukünftigen Reaktionen in Gesprächen sehen wir uns ein weiteres Beispiel an: Neigt der Chef eher zum Gesprächspartner (Verhältnis zu Ihnen) oder zur Leistung (Ergebnis)? Finden Sie heraus, ob der Chef eher sozial und emotional ist oder mehr rational und sachlich. Beurteilen Sie die jeweilige Intensität. Zudem ist die Erkenntnis wichtig, dass jedes Verhalten des Chefs auf ein bestimmtes Ziel ausgerichtet ist, das Sie nur hinterfragen können. Stellen Sie dazu im Gespräch offene W-Fragen.


Welche Erwartungshaltung wird Ihnen gegenüber geäußert?
Welches Ziel hat der Chef?
Was wollen Sie?


Verbinden Sie Ihre Ziele mit den Erwartungen des Chefs und kommunizieren Sie erwartungsgemäß. Stellen Sie die Vorteile aus Sicht des Chefs heraus. Seien Sie clever und anpassungsfähig. Der Weg ist das Ziel. Das funktioniert.

Schauen wir uns nun Augen, Ohren und Körper des Chefs an.

Wie machen Sie Gespräche sichtbar, hörbar und greifbar? Prozessverben helfen Ihnen dabei. Hören Sie in Gesprächen mit Chefs genau zu. Spricht der Chef mit Ihnen zu Ihren Augen, ist er ein visueller Typ. Sie hören Prozessverben wie „anschaulich machen“, „ausmalen“, „beobachten“, „die Augen offen halten“, „Einsicht gewinnen“, „im Blick haben“, „klarmachen“ oder „unter die Lupe nehmen“. Wenn der Chef zu Ihren Ohren spricht, ist er ein auditiver Typ. Chefs nutzen dann häufiger Prozessverben wie „anhören“, „äußern“, „befragen“, „da klingelt’s bei mir“, „den Ton angeben“, „das hört sich gut an“, „das schreit nach einer Lösung“ oder „nie gehört“. Oder ist der Chef ein Typ zum Anfassen? Dann spricht er mit kinästhetischen Prozessverben zu Ihnen. Sie hören Worte wie „fühlen“, „spüren“, „der Termindruck ist …“, „ganz nach meinem Geschmack“, „anknüpfen“, „abwimmeln“, „das kratzt mich nicht“, „sich etwas abschminken“ oder „verkrampfen“. Was hören Sie? Was ist auffällig? Erkennen Sie das primäre und dominante Repräsentationssystem des Chefs. Wenn Sie es erkannt haben, spiegeln Sie den Chef. Sprechen Sie auch zu seinen Augen, Ohren und seinem Körper. Dies werden Gespräche auf Augenhöhe, Ohrenhöhe und gleicher Körperhöhe. Wenn Sie in Gesprächen Erwartungen des Chefs erfüllen, zeigen Sie Ähnlichkeit und Gleichheit. Denn wie sagt man so schön? Gleich und Gleich gesellt sich gern. Während sich Chefs also – was die Persönlichkeit betrifft – eher gegenteilige Partner aussuchen, so ist es in Gesprächen von Vorteil, sich ähnlich wie sie zu verhalten und sich ihnen anzupassen.

 

Quelle: Chefgespräch Coach Nr.1 FÜR Mitarbeiter

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